Clownin Nina
Nina wohnt, wie alle Clowns, in Clownshausen. Ihr Haus sieht so aus, wie alle Häuser in Clownshausen, wie eine große Clownsnase. Allerdings haben alle Clowns eine eigene, kleine Straße. Ninas heißt Musikantenstadelweg 33 1/2. Jeden Morgen, wenn der erste Sonnenstrahl Ninas Nase kitzelt, klimpern ihre Wimpern, um ihre schönen Augen zu öffnen. Ihren kleinen, glitzernden Handspiegel hält sie sich vors Gesicht und betrachtet sich: "Heute bin ich aber schön!" Dann steht Nina auf und schreitet von Spiegel zu Spiegel. Im ganzen Haus sind Spiegel verteilt. Vor dem ersten kämmt sie sich. Sie schüttelt ihre Haare, wuschelt sie, verzwirbelt sie und zupft sie so lange zurecht, bis sie in alle Richtungen stehen. Vor dem runden Goldspiegel holt sie ihre Puderdose hervor und öffnet sie. Plötzlich platzt es aus Nina heraus: "Hatschi, hatschi, hatschiiiiiiiii!" Die Puderdose ist jetzt leider leer. Doch Ninas Gesicht ist voll. Voll mit weißem Puder. Dann zieht sie sich an. Vor jedem Spiegel etwas anderes! Zuletzt steckt sie sich eine Sonnenblume ins Haar und legt ihre Glitzerohrringe an. Nina liebt Glitzer. Als sie sich anschaut sagt sie zufrieden: "Heute bin ich wirklich schön!" Da klopft es auf einmal. Nina öffnet die Tür. Aber es steht niemand davor. Gerade als sie sich umdrehen will klopft es schon wieder. Diesmal stärker. Sie schaut unters Bett, aber da liegt nur der Koffer. Ach der Koffer! Sie holt ihn hervor, da trommelt es fürchterlich heraus. Als sie ihn öffnet fliegt ihr der Rabe Max auf den Kopf und krächzt sie wütend an:" Wie konntest du mich vergessen?" Beleidigt fliegt er durch den Schornstein aufs Dach und beginnt mit seinen Füßen zu stampfen. Bum, bum, bum - das ganze Haus wackelt. Da ruft Nina mit lauter Stimme: "Aufgepasst! Alle antreten!" aus allen Winkeln strömen ihre Instrumente zusammen und stellen sich in Reih und Glied auf: Das Saxophon, das Akkordeon, das Horn, das Klavier, die Gitarre, die Altflöte, die Jungflöte und die Geige Susi darf auf Ninas Arm. Da beginnt Nina mit Susis Bogen zu dirigieren: "Zwo, drei, vier – zwo, drei, vier – zwo drei vier…" Und dann musizieren sie und marschieren gemeinsam los. Hinauf aufs Dach, wo Max mürrisch hockt und mit den Füßen stampft. Nacheinander umkreisen ihn Nina und die Instrumente und beginnen im Takt dazu zu spielen und mitzustampfen. Max schaut etwas fröhlicher und geht ganz vorsichtig auf Nina zu. Auf einmal ist es jetzt still. Als Max mit seinem großen, gelben Schnabel an Ninas Nase zu schnäbeln beginnt, muss sie so herzlich lachen, das sie umfällt und in der bemoosten Regenrinne landet. "Flieg los!" ruft sie. "Sag allen, sie sind heute Abend im Musikantenstadelweg eingeladen!" Da schwingt sich Max auf, fliegt von Schornstein zu Schornstein und krächzt: "Aus Clownshausen kommt herbei, hier gibt’s bald ne Feierei. Ja, das wird ein großer Hit, bringt auch viel zu Essen mit!"
In der Zwischenzeit klettern Nina und ihre Instrumente wieder ins Haus und bereiten sich für den Abend vor. Sie machen Musik. Da klopft es schon wieder. Diesmal steht der dicke Bürgermeister mit rotem Kopf vor der Tür und ist ganz außer Puste. "Nina. Wir haben Stromausfall. Du musst uns helfen!" Da geht Nina sofort hinaus zum Stromhäuschen und sieht, dass das Wind- und Sonnenrad stillsteht. Eigentlich muss es sich drehen und Strom in alle Häuser schicken, doch es ist irgendwie krank. Da Nina so klein ist und das Rad so weit oben steht kann sie es nicht trösten. Also holt sie ein Mikrofon, das mit dem Stromrad verbunden ist und beginnt mit ihm zu sprechen. Erst langsam und vorsichtig. Dann wird sie schneller und schneller und noch schneller, bis sie so schnell redet, dass kein Wort mehr zu verstehen ist…. Aber da beginnt sich das Rad zu drehen. So redet und redet Nina die nächsten Stunden ununterbrochen, so dass in ganz Clownshausen endlich das Licht angeht und das Rad sich von selbst gesund weiterdreht.
Am Abend ist es dann soweit. Im ganzen Musikantenstadelweg verteilen sich Ninas Instrumente. Jetzt hat sie verschiedene Bands und kann mit allen gleichzeitig spielen. Alle Clowns aus Clownshausen kommen dazu und jubeln und tanzen und stampfen mit Max im Takt. In Ninas Straße duftet es außerdem nach viel Essen. Und jetzt legt Nina los. Sie isst und singt und spricht und tanzt und dichtet und macht Musik. Alles gleichzeitig. Bis ihr alle zujubeln:" Nina, heute bist du aber schön!"
Und manchmal geht Nina, wenn sie nicht gerade in die Schule muss, mit ihren Clownsfreunden in die Kinderklinik Heilbronn, um die kranken Kinder zu besuchen.