Nitzi wohnt, wie alle Clowns, in Clownshausen. Ihr Haus sieht so aus, wie alle Häuser in Clownshausen, wie eine große Clownsnase. Allerdings haben alle Clowns eine eigene, kleine Straße. Nitzis heißt Schneckenhausweg 1A. Während alle Clowns in Clownshausen am Morgen schon klettern, essen, singen, tanzen, liegt Nitzi noch eingekuschelt im Bett, lutscht an ihrem Daumen und träumt. Sie träumt von einer großen Seifenblase, in der sie gerade zwischen bunten Wolken über Clowns?hausen fliegt und die Schmetterlinge und Vögel begrüßt. Nitzi ist die größte Schlafmütze, Lädt sie jemand zum Frühstück ein, kommt sie zum Abendessen, Will sie einkaufen gehen, sind die Läden schon zu. Doch das ärgert Nitzi überhaupt nicht, denn sie hat vor ihrer Haustüre einen wundervollen Garten, in dem das schönste und größte Ge?müse von ganz Clownshausen wächst. So pflückt sie sich ihr Essen immer und muss nicht einkaufen gehen. Zum Glück hat Nitzi noch die kleine Flöte Pfifferling, die so laut und hoch pfeifen kann, dass sie endlich aufwacht. Ganz langsam öffnet sie ihre Augenlider und fragt:
"Wo bin ich denn?" Da spielt ihr der kleine Pfifferling eine fröhliche Guten-Morgen-Melo?die, damit sie sich erinnert .... "ach, mein kleiner Pfifferling, du bist's. Heute Nacht bin ich über Clownshausen in einer Seifenblase geflogen. Die glitzernden Sterne hab ich gepflückt und mir eine Schaukel daraus geknüpft, mit der bin ich auf den Mond gehüpft, dann durch den Mondberg geschlüpft, da hat mich ein Mondkalb am Haar gerüpft, so hab ich es genom?men und in die Höhe gelüpft - dabei war's ganz schön aufgemüpft - so bin ich mit der näch?sten Sternschnuppe schnell wieder davon gehüpft. Und jetzt bin ich wieder hier. Das ist schön." Jetzt nimmt Nitzi nacheinander die Tücher, mit welchen sie zugedeckt war, in die Hand und wirft sie in die Höhe. Jedes einzelne muss gelüftet werden. Das Tuch mit den bun?ten Spiegelchen, das mit den fransigen Schnürchen, das Tuch mit den goldenen Glöckchen, das mit dem hübschen Mustern, das mit den Herzchen bestickte und das mit Rosenduft gestrickte. Als der kleine Pfifferling beginnt, dazu eine feine Melodie zu pfeifen, bleiben Ni?tzis Beine nicht mehr still. Durchs ganze Haus dreht sich Nitzi nun und hüpft, ihr Popo wack?elt im Takt dazu mit und die Tücher fliegen weiter, hoch und nieder. Plötzlich wird sie von einem lauten Rufen unterbrochen. "Wir wollen raus!" Nitzi geht in den Garten. Da sieht sie ihre Karotten aus der Erde herausgucken. "Lass uns raus!" Sie packt die größte Karotte am Schopf und zieht und zieht und zieht. Die Karotte schreit jämmerlich:" Aua! Lass los!" Da plumpst Nitzi auf die Erde und macht einen Purzelbaum rückwärts. Im Chor begrüßen sie alle Blumen und das ganze Gemüse: "Guten Morgeeeen, Nitziiiiii!" Nitzti lacht und ruft zu?rück: "Guten Morgen. Könnt ihr mir helfen? Die Karotten wollen raus." Da ist es pflän?zchenstilI - der große Kürbis spricht: "Wir rufen die Regenwürmer, die lockern die Erde." Gemeinsam singen sie: "Wurm, Wurm, Regenwurm! Komm heraus Regenwurm - bald beginnt ein großer Sturm! Zieh durch unsre Erde, dass sie locker werde!" Ganz vorsichtig beginnt sich die Erde unter Nitzis Händen zu bewegen. Im Nu sind winzig kleine Regen?wurmerdhügelchen zu sehen. Die Regenwürmer beginnen die Erde zu verfeinern und zu lo?ckern und geben den Karotten aus der Tiefe einen kräftigen Schubs. Auf einmal springen alle gleichzeitig aus der Erde und landen auf Nitzi und um Nitzi herum. Manche haben sich in ihrem Haar verfangen. Trotzdem sind alle im Garten überglücklich. Und seitdem läuft Nitzi manchmal tagelang mit Karotten im Haar herum. Manchmal bleiben dort auch Marienkäfer aus dem Garten, oder Birnen oder die Weihnachtsbeleuchtung vom Tannenbaum. Und dann ist es soweit. Nitzi bereitet sich vor, auf ihren großen Abend: Sie legt sich hin und schläft. Als sie wieder aufwacht, zieht sie ihre Hose an, die sie aus unendlich vielen roten, rötlichen und rosa Rüschchen genäht hat. Ihr Schürzchen drüber, die ausgelatschten Clownsschuhe an, mit Ketten und roten Ohren geschmückt, geht sie hinaus in ihren Schneckenhausweg. Dort hat sie ein großes Schneckenhaus gebaut, golden bemalt und mit vielen Blumen bepflanzt. Innen gibt es schöne Teppiche mit Kissen aus Samt und Seide. Hier erzählt Nitzi jeden Abend aus ihren Träumen eine neue Geschichte und jeder Gast bekommt eine Schale, gefüllt mit Nitzi?tee, zum mitträumen. Und ein Mal die Woche geht Nitzi mit ihren Clownsfreunden in die Kinderklinik Heilbronn, um die kranken Kinder zu besuchen.
